U-Bahn-Tagebuch

 

7. Mai 2015: Es fing alles ganz harmlos an…

Frau in der U-Bahn redet über die Schönheits-OPs ihrer Freundin. Gerade ist das Wort Schlumpflider gefallen.

 

8. Mai 2015: Nur einen Tag später die nächste Begegnung. Die Idee des U-Bahn-Tagebuchs war geboren.

Ich glaub ich fang ein U-Bahn-Tagebuch an.
Auf dem Vierer hinter mir Großeltern mit Enkel und ein Mann. Mann fängt Gespräch mit den Großeltern an, fragt dann den Jungen was. Der antwortet nicht. Is schüchtern, sagt die Oma. “Der ist nicht schüchtern, der ist behindert. Ich hab auch so einen”, sagt der Mann. Ich steige aus.

 

12. Mai 2015: Einige Tage später auf der Heimfahrt von der Arbeit

Absurdes U-Bahn-Tagebuch, Teil 3: Die adrette, ältere Dame mir gegenüber holt eine Packung Gouda aus ihrer Handtasche und fängt an zu essen. Scheibenweise schnabuliert sie sich den Schnittkäse weg.

 

29. Mai 2015: Danach war ein paar Tage Ruhe, ich dachte schon an Zufall, doch dann kehrte der U-Bahn-Wahnsinn mit voller Wucht in mein Leben zurück.

Liebes absurdes U-Bahn-Tagebuch, seit es dich gibt muss ich ständig die verstörendsten Dinge erleben. Zum Beispiel die Frau hinten rechts, die sich gerade die Zehennägel knipst, als ich reinkomme. Kann das bitte wieder aufhören? Danke. Und Nummer 4.

 

7. Juni 2015: Wohl meine Lieblingsbegegnung bisher…

Nr. 5. Heute mal Absurdes aus der S-Bahn. Der demonstrativ breitbeinig sitzende Schottenrock-Träger hatte nicht mal im Ansatz die Chance mein Favorit in dieser Liste zu werden. Aber der Herr mit dem elektrischen Rollstuhldings der im Affenzahn einmal komplett an der wartenden Bahn entlang raste und alle anderen Passagiere mit einer erstaunlich lauten Hupe aus dem Weg drängelte – der hat’s geschafft, dass ich hier sitze und mich kaputt lache als wäre ich auch eine von den Irren des öffentlichen Nahverkehrs. Bin ich dann wohl auch.

 

17. Juni 2015: Auch ein kleiner Ausflug nach Berlin kann natürlich nicht ohne U-Bahn-Unsinn auskommen.

Und noch schnell U-Bahn-Eintrag Nr. 6, heute aus Berlin: ein Haufen Jugendlicher diskutiert erhitzt darüber ob “der Typ in der roten Jacke Gott war”. Der Pointe halber wäre es mir lieber, sie wären nicht an der Oper zugestiegen.

 

14. August 2015: Und schließlich, an meinem letzten Tag in Hamburg, der krönende Abschluss der Nahverkehrs-Spinnerei.

Herrliche Abschluss-Absurdität aus der Hamburger U-Bahn, Nr. 7: Als ich bepackt wie zehn Maulesel aus der Bahn taumle kommt eine ältere Dame dermaßen entschlossen auf mich zugestürmt, als hätte ich sie dort schon ewig warten lassen. “So, junge Frau, wo müssen Sie hin?”, raunzt sie mich durchaus sympathisch an und schnappt mir zwei Taschen aus den Händen. “Richard, jetzt nimm doch mal den Koffer”. Dass ihr Mann Engländer ist hätte sie mir gar nicht erzählen müssen, ist er doch mit einer doppelten Portion Zurückhaltung gesegnet (die von seiner Frau hat er nämlich auch noch gekriegt). Bei ihnen ist außerdem eine noch ältere Dame, die mich nur kopfschüttelnd fragt ob ich “immer so rumlaufe”.
Nachdem die Lady mit Hut mich dann noch auf der Rolltreppe zusammengeschissen hat (“Pass mal auf, Mädchen, guck nach vorne oder du brichst dir die Hacken”), bestimmt sie, dass Richard mich zum Bus begleitet und sie währenddessen schon mal Karten fürs Museum kaufen geht. Als ich leise Bedenken daran äußere, dass sie meine Handtasche mit auf ihren Spaziergang nimmt, schaut sie mich an als hätte ich sie gerade die Hure von Babylon genannt. “Junge Frau! Ich gebe Ihnen ja schließlich auch meinen Mann mit! Meinst du ich find in meinem Alter nochmal einen neuen, Mädchen?!”.
Goodbye Hamburg, dein öffentlicher Nahverkehr wird mir fehlen.

 

 

To be continued.

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